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Modern Society - Verein zur Förderung der politischen Bildung und Forschung im urbanen Raum

Dr. Anna Mathä

Unterstützung für Verfolgte

10.01.2026 4 min

Zusammenfassung & Show Notes

Anna Mathä wird am 28. Juni 1906 als Tochter des Bankangestellten Florian Mathä in Wien geboren. Nach der Volks- und Bürgerschule besucht sie die Privat-Lehrerinnen-Bildungsanstalt St. Ursula, maturiert dort 1925 und inskribiert 1927 die naturwissenschaftlichen Fächer, Geografie und Psychologie an der philosophischen Fakultät der Universität Wien. Hier tritt sie der Studentinnenverbindung Vereinigung katholisch-deutscher Hochschülerinnen Wien bei.

1931 absolviert sie ihre Lehramtsprüfung und tritt 1932, nach ihrem Probejahr, in den Lehrdienst ein. Nachdem sie an verschiedenen Schulen unterrichtet hat, wird sie 1937 Direktorin der Frauenoberschule St. Ursula im 18. Wiener Bezirk. Darüber hinaus engagiert sie sich in der Vaterländischen Front.

Am 16. September 1938 wird sie aus dem Schuldienst aufgrund ihrer politischen Einstellung entlassen. Zwar wird Anna Mathä am 15. September 1940 wieder in den Schuldienst berufen, jedoch oftmals versetzt. 1944/45 wird eine Disziplinaruntersuchung gegen sie eingeleitet aber schließlich nicht durchgeführt. 

Ab 1942 bis zur Befreiung Wiens verstecken Anna Mathä und ihre Mutter folgende Jüdinnen und Juden in ihrer Wohnung, um sie damit vor der sicheren Deportation zu schützen:
  • Berta Brauner, geboren am 30. Juni 1886
  • Karoline Lustig, geboren am 12. August 1887. Karoline Lustigs Mutter und Bruder, Marie und Alfred Löwy wurden am 12. Juli 1942 deportiert. Alfred Löwy wurde ins KZ Auschwitz und Marie Löwy ins KZ Theresienstadt und später ins KZ Treblinka verbracht. Beide überlebten den Holocaust nicht.
  • Paul Sondhoff, geboren am 16. April 1923, war ein ehemaliger Schüler von Anna Mathä. Sie nahm ihn auf, als seine Mutter Helene und seine Schwester Agnes Alma deportiert worden waren. Helene Sondhoff, geboren am 6. Dezember 1893 und Agnes Alma, geboren am 2. Jänner 1930 wurden am 27. Mai 1942 nach Maly Trostinec deportiert und am 1. Juni 1942 dort umgebracht.
Nach dem Krieg promoviert Anna Mathä 1946 und wird Lehrerin im BRG Hegelgasse 14, im 1. Bezirk. Sehr schnell wird sie pragmatisiert und für die zwei Jahre, in denen sie vom Schuldienst ausgeschlossen war, entschädigt.  Ehrenamtlich engagiert sie sich in der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich.

Ende 1971 wird sie ledig und kinderlos in den Ruhestand versetzt und verstirbt am 18. Dezember 1991 in Wien.
 

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